Geschichte des Bezirks

der Anfang: das Osterlager 1962 in Fürstenau nahe BraunschweigEs war im Frühjahr 1962, als alles seinen Anfang nahm. Die Wolfsburger Jungen Wolfgang Pfeiff und Hans-Jürgen Poppek nehmen am Osterlager der Siedlung „Ulrich von Hutten“ aus Braunschweig teil. Sie kehren so begeistert zurück nach Hause, dass die Beiden die Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) in Wolfsburg gründen.

In den gut 50 Jahren, die seitdem vergangen sind, ist viel passiert. Heute nennen wir uns VCP, sind ein eigener Bezirk und haben eine Menge in Wolfsburg bewegt.
Doch der Reihe nach.

Die Anfänge in der CPD

beim ersten Sommerlager 1963 in Schönbach/ÖsterreichAuf dem Landesmarktreffen der CPD in Hannover schlägt am 30. Mai 1962 unter der Leitung von Hans-Jürgen Poppek offiziell die Geburtsstunde der Pfadfinderbewegung in Wolfsburg. Zunächst sind wir ein Teil der Siedlung „Ulrich von Hutten“, doch es dauerte nicht mal ein Jahr, bis wir uns im Januar 1963 selbständig machen. Als neue Siedlung geben wir uns den Namen des Widerstandskämpfers Paul Schneider. Aus der Siedlung wird im Mai 1969 der Stamm Paul Schneider, ein anerkannterer Status in der CPD.

Die erste Gruppe waren 1962 die Panther, acht Jungen zwischen 12 und 15 Jahren. Ihre Gruppenstunden verbrachten sie an der Kreuzkirche, die damit zum Geburtsort der Pfadfinderarbeit in Wolfsburg wurde. Noch im Jahr unserer Gründung entstanden die Gruppen Nummer zwei und drei.

die Kinderstufe bei einer Kinderfreizeit in Hösseringen 19841971 stoßen die ersten Mädchen zu uns, zuvor gab es ausschließlich Jungen und Männer. Sie wollen Gruppenleiterinnen werden und die Kinderstufenarbeit aufbauen. Im Oktober entsteht an der Kreuzkirche dann die erste Gruppe mit 7- bis 10-Jährigen.

 

 

Aus CPD wird VCP

Eine kleine Revolution vollzieht sich 1972 auf Bundesebene. Der männliche Pfadfinderverband CPD und die beiden weiblichen Pfadfinderinnenverbände EMP (Evangelischer Mädchen Pfadfinderbund) und BCP (Bund Christlicher Pfadfinderinnen) schließen sich zum Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder zusammen. In Wolfsburg regt sich jedoch Widerstand: Es soll beim Namen CPD bleiben.

Erst im Winter 1974 nennen auch wir uns endlich „VCP Stamm Paul Schneider“.

Vom Stamm Paul Schneider zum Bezirk Paul Schneider

Seit dem Frühjahr 1980 distanziert sich der VCP in Wolfsburg zunehmend stärker von seinem Bezirk Elm. Auf der Versammlung des Stammes Paul Schneider im November des gleichen Jahres fällt die Entscheidung, sich vom Bezirk Elm zu trennen und einen eigenen Bezirk anzustreben.

Ein Jahr später, 1981, beschließt die Stammesversammlung die Auflösung des Stammes Paul Schneider und die Bildung einer Region, bestehend aus zwei Stämmen. Am 23. Januar 1982 wird der VCP in Wolfsburg vom Landesrat schließlich als Bezirk anerkannt. Die beiden neuen Stämme wählen die Namen Martin Niemöller und Dietrich Bonhoeffer.

Aus den privaten Kellerräumen in die eigene Bezirkszentrale

ein Blick in den Flur unserer Bezirkszentrale während den AusbauarbeitenDie Stammeszentrale der ersten fast zwei Jahrzehnte waren die privaten Kellerräume von Hans-Jürgen im Wagnerring. Im Januar 1981 konnten wir dann in die Räumlichkeiten des Pfarrhauses der Kreuzkirche umziehen.

Im Februar 1983 erhalten wir schließlich Teile des Dachgeschosses der Goetheschule zum Umbau als unser neues Domizil. Mit 45.000 DM von der Stadt, einem ehrenamtlich tätigen Bauleiter und vielen helfenden Gruppenleitungen und Eltern wird bis Mai unsere Bezirkszentrale ausgebaut. Am 05. Juni findet schließlich die Eröffnungsfeier statt.

Offene Jugendarbeit

Unser Blick ging oft über den Tellerrand des Bezirks hinaus. Immer wieder haben wir im Rahmen offener Jugendarbeit Aktivitäten für Wolfsburger Kinder und Jugendliche angeboten, die nicht Mitglied bei uns waren.

Mädchen und Jungen aus Wolfsburg bei unserem offenen Sommerlager 1978 in NorwegenUnter dem Motto „Stadtranderholung“ findet 1975 die erste offen ausgeschriebene Ferienmaßnahme statt, die 1976 wiederholt wird. 1978 gehen wir einen Schritt weiter und bieten Nichtpfadfinderinnen und  -pfadfindern die Teilnahme an unserem Sommerlager in Norwegen an. Wir führten nacheinander drei 14-tägige Lager durch, an denen insgesamt etwa 200 Kinder und Jugendliche teilnahmen. Bei der Wiederholung 1981 waren es sogar 300 Kinder.

In den Jahren davor und danach gab es immer wieder Angebote der offenen Jugendarbeit – Spieleaktionen im Rahmen der Kreativ- und Abenteuer-Spielplätze, integrative Arbeit mit jungen Spätaussiedlern, Ferienangebote über Ostern und vieles mehr.

Wenngleich das beeindruckende Engagement seit vielen Jahren nicht mehr aufrecht zu halten ist, gab es von Zeit zu Zeit kleinere Angebote. So haben wir z. B. im Jahr 2008 sozial schwache Schülerinnen und Schüler der Wohltbergschule kostenlos zu unserem Sommerlager mitgenommen.

Behindertenarbeit

Die Arbeit mit behindeten Pfadfinderinnen und Pfadfindern hat in unserem Bezirk eine lange Tradition. Im Sommer 1974 lernten wir bei unserer Sommermaßahme zwei Gruppen in 1. Larvik-Trupp kennen, die wir bisher noch nicht kannten: Ørn- und Terne-Patrulje, die Adler und Seeschwalben. Das für uns ungewöhnliche war, dass sie aus geistig behinderten jungen Menschen im Alter von etwa 13 bis 25 Jahren bestanden. Erling gründete diese Gruppen 1973, die nun mit uns gemeinsam am Kreislager des norwegischen Pfadfinderverbandes NSF teilnahmen.

Für uns war die Begegnung mit behinderten Menschen damals etwas vollkommen Neues. Wir wussten nicht so recht, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten sollten, doch Ørn- und Terne-Patrulje gaben uns keine Chance, in unserer Zurückhaltung stehen zu bleiben. Fröhlich, kontaktbereit und natürlich nahmen sie uns auf.

Unter den Eindrücken dieser Erfahrungen entstand Anfang 1976 die erste Behindertengruppe in Wolfsburg, die Panther.

Projekt „Freizeitarbeit mit Behinderten“ Das Thema Behindertenarbeit haben wir über den VCP hinaus in die Öffentlichkeit getragen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring, der Heilpädagogischen Bildungsstätte und dem Lions Club führten wir 1980 das Projekt „Freizeitarbeit mit Behinderten“ durch, das gemeinsame Aktivitäten mit Behinderten umfasste sowie ein Bildungsurlaubseminar in Norwegen, an dem Interessierte anderer Jugendgemeinschaften teilnahmen. Die positiven Erfahrungen mit dem Seminarkonzept veranlassten uns zwei Jahre später zur Wiederholung mit ähnlichen Programmangeboten.

Heute haben wir eine aktive Behindertengruppe im Bezirk, die Mixed People. Darüber hinaus gibt es auch in unseren übrigen Gruppen geistig behinderte Kinder und Jugendliche.

Einsatz für einen Jugendzeltplatz

Im Jahr 1977 kam erstmals die Forderung nach einem Jugendzeltplatz in Wolfsburg auf, die von uns unterstützt wurde. Nachdem das Thema einige Jahre lang auf Eis lag, verstärkte der VCP Wolfsburg 1984 sein Engagement für einen Zeltplatz an der Burg Neuhaus. Das Projekt scheiterte dort allerdings am massiven Widerstand des Ortsrates.

Gruppenleitungen des VCP beim Bau des Jugendzeltplatzes in AlmkeWir haben das Thema in den folgenden Jahren nicht auf sich beruhen lassen und uns im damaligen Jugendwohlfahrtsausschuss der Stadt Wolfsburg weiter für den Zeltplatz stark gemacht. 1990 wurde dieser Einsatz dann von Erfolg gekrönt: Nach zweijährigen Bauarbeiten unter maßgeblicher Mitwirkung von unseren Gruppenleitungen wurde der Jugendzeltplatz Almke in Betrieb genommen. Seit dem wurde er mehrmals erweitert und die Belegungszahlen steigen stetig. Ein besonderes Highlight aus VCP-Perspektive war das Bundeslager im Sommer 2010 mit fast 5.000 Teilnehmenden.

Engagement im Stadtjugendring

Von Anfang an spielten wir eine starke Rolle im Stadtjugendring Wolfsburg. 1972 waren wir eines von sieben Gründungsmitgliedern im neu konstituierten Stadtjugendring e. V. und waren sogleich im Vorstand vertreten. Auch in den folgenden Jahren war der VCP dort gut repräsentiert, beispielsweise über Hans-Jürgen Poppek, der zwei Mal erster Vorsitzender war.

Weitere Informationen:

» Jubiläum 2012: 50 Jahre VCP Wolfsburg

» Chronik unseres gesellschaftlichen und jugendpolitischen Engagements

» Chronik zum 25. Juiläum 1987